Der Fall des Monats - Angewandte komplementäre Tiermedizin

Drei Milchkühe mit Klauengeschwüren

Valentina, eine 10-jährige Mutterkuh hat vor einem Monat gekalbert. Rund 6 Wochen vor der Geburt, hatte sie schon mal was am Klauen. Sie wurde ausgeschnitten und lief danach schnell wieder gut. Valentina wurde vor ein paar Tagen tierärztlich vorbehandelt, ausgeschnitten, verbunden und sie bekommt wegen den starken Schmerzen noch ein Schmerzmittel. Sie ist eine grosse, massive helle Red Angus Kuh mit grossen Klauen. Sie ist auf dem Betrieb aufgewachsen und hatte bisher keine Krankheiten. Valentina lässt sich gerne streicheln, verwirft aber plötzlich den Kopf.

Das Geschwür stinkt nicht stark, es hat wenige eitrige Stellen. Beim Ausschneiden hatte es hellrote Blutungen, der Ballen war weich, der Fuss ist für die Grösse vom Loch nicht stark geschwollen. Sie belastet den Fuss noch erstaunlich gut, hält ihn aber eher ruhig und legt sich schnell wieder hin.

Die Beraterin empfiehlt die Mittel Hypericum und Mercurius solubilis. Zudem empfiehlt sie, den Verband jeden 2. Tag zu wechseln und einen Klotz an den gesunden Klauen zu leimen, um den kranken zu entlasten.



Folgeberatung sechs Tage später:

Es geht Valentina besser. Sie belastet den Fuss besser und kommt häufiger zum Fressen. Die Wunde am Klauen ist schön abgeheilt. An der Stelle, wo Eiter rauskommt ist gemäss Tierärztin ein ziemlich grosses Loch (Fistel). Dieses hat sie mit Kochsalzlösung gespült.

Die Beraterin empfiehlt auf das Mittel Hepar sulfuris zu wechseln und den Verband in spätestens drei Tagen zu wechseln. Dann auch die Wunde / das Loch nochmals mit Kochsalzlösung zu spülen. Ab dann das Mittel bei gutem Verlauf auf Silicea zu wechseln.

Rückmeldung fünf Tage später:

Valentina steht gut auf dem Fuss. Gestern wurde der Verband gewechselt und gespült. Das Spülen tut ihr weh. Die Wunde sieht viel besser aus, es ist viel gegangen in diesen fünf Tagen.

Die Beraterin empfiehlt mit Silicea weiterzumachen und sich bei gutem Verlauf in einer Woche wieder zu melden.

Rückmeldung weitere 5 Tage später:

Der Verband wurde gewechselt, es konnte aber nicht mehr gespült werden. Die Öffnung ist zu klein, man kommt nicht mehr rein und es fängt an zu bluten.

Das ist die Wirkung von Silicea, vermutet die Beraterin. Das Mittel macht seine Arbeit…


Weitere Rückmeldung rund 10 Tage später:

Es geht Valentina gut, sie verhält sich ganz normal. Der Verband wurde heute gewechselt. Die Sohle fühlt sich fest an, auf Druck reagiert sie nicht mehr. Dort wo das Loch war, ist die Sohle noch etwas weicher. Die Öffnung fängt schnell an zu bluten.

Dies erfreut die Beraterin. Sie empfiehlt noch solange es blutet, einen leichten Verband drauf zu lassen und 2x wöchentlich Silicea zu verabreichen. Silicea noch so lange weitergeben, bis das Loch vollständig geschlossen ist.

Rückmeldung knapp zwei Monate später:

Es geht Valentina wieder gut, sie ist wieder auf der Weide beim Haus.

Bemerkungen zum Fall:

Valentina war der dritte Fall einer Kuh mit Sohengeschwür auf demselben Betrieb. Bei Sohlengeschwüren ist die Klauenpflege das Wichtigste. Das Geschwür muss grosszügig und flach ausgeschnitten werden. Da die Lederhaut betroffen ist, sollte dies von einem Tierarzt gemacht werden. Auch ist eine frühe Erkennung von grossem Vorteil. Sobald gesehen wird, dass eine Kuh einen Fuss leicht entlastet, sollte eine Kuh noch am selben Tag in den Klauenstand! Auch sehr wichtig nach dem Ausschneiden ist ein regelmässiger Verbandswechsel, alle 2-3 Tage.

Wenn es so vermehrt auftritt, ist zudem wichtig und spannend zu versuchen, die Ursache dafür herauszufinden.

Die Homöopathie kann bei Sohlengeschwüren helfen, die Heilung zu beschleunigen. Hepar sulfuris ist da eines der wichtigen Mittel. Auch bei einer anderen der drei Kühe auf dem Betrieb hat das Mittel geholfen. Es ist ein Mittel, das eher zum Einsatz kommt, wenn das Geschwür spät entdeckt wurde, sehr schmerzhaft ist und der Allgemeinzustand reduziert ist. Es ist aber auch da wichtig, das passende Mittel zu finden. Je nach Symptomatik kommen auch Mercurius, Arsenicum album oder weitere zur Anwendung. Klauengeschwüre sind eher eine langwierige Sache, trotzdem merkt man nach 2-3 Tagen, ob ein Mittel hilft oder gewechselt werden muss. Silicea ist allgemein ein gutes Mittel für die Ausheilung.

Wird ein Geschwür früh entdeckt, kommen eher andere Mittel in die engere Auswahl.

 






Vorschau - Februar 2022:

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