Fall des Monats - April 2020

Dreiwöchiges Gitzi mit Glangger / Selenmangel


Das Gitzi hat seit zwei Tagen Mühe aufzustehen, vor allem mit den Hinterbeinen. Ansonsten ist es aber wach und es trinkt bei der Mutter. Wenn das Gitzi steht, ist es unsicher auf den Hinterbeinen und macht kleine Schritte. Es hat bereits Selen gespritzt bekommen. Vor vier Tagen hatte es weichen, gelben Kot. Es war hinten rund um den After verschmiert. Die Ziegen können frei in den Stall und auf die Weide, das Gitzi geht teils mit raus. Wenn es steht, hat es das Gewicht vollständig auf die Vorderbeine verlagert.

Seit heute Morgen kann es aber gar nicht mehr selber aufstehen.

Schon in den Tagen nach der Geburt war es auffällig, es ist nie so herumgesprungen und auf Erhöhungen aufgesprungen wie seine gleichaltrigen Kollegen / Kolleginnen. Ansonsten ist es als Einzelgitzi recht gross und im Wachstum nicht zurückgeblieben.

Auf dem Betrieb gibt es ab und zu Gitzis mit Glangger. Diese zeigen jedoch andere Symptome, sie sind schläfrig. Dieses Gitzi hier ist «im Kopf fit», es robbt zur Mutter und trinkt.

 

Der Tierhalter hat ihm in den letzten beiden Tagen bereits China und Calcium carbonicum verabreicht, was aber nicht zu einer Veränderung der Symptomatik geführt hat.

 

Die Ursache für die Erkrankung ist nicht ganz klar. Kommt es vom Glangger, ist es ein Selenmangel oder ein Problem, das seit der Geburt besteht (z.B. nervliche Ursache)? Für Parasiten ist es zu jung, dies kann ausgeschlossen werden.

Die Beraterin empfiehlt Phosphorus und Hypericum im Wechsel.

Mit diesen beiden Mitteln sind die Hinterhandschwäche abgedeckt und die Folge von Verletzungen bei der Geburt.


2. Anrufam Folgetag

Das Gitzi steht gar nicht mehr auf, weder vorne noch hinten. Der Allgemeinzustand ist schlechter geworden. Es knabbert am Heu, trinkt bei der Mutter und knirscht mit den Zähnen. Der Kot ist normal. Die Beine sind eher kühl, es hat aber Gefühl in den Beinen und reagiert auf Reizungen.

 

Die Beraterin empfiehlt das Mittel zu wechseln auf Silicea.Zusätzlich wird empfohlen zu versuchen, das Gitzi auf Farn zu betten, so wie es früher gemacht wurde.


3. Anruf am Folgetag

Silicea und das Betten auf Farn hat beides nichts gebracht, der Zustand des Gitzis ist weiterhin etwa gleich. Es ist im Kopf fit und wach, robbt sich meterweise durch den Stall, es kriecht zur Mutter und trinkt. Es hat weder Fieber, noch Untertemperatur.

 

Die Beraterin empfiehlt die Mittel China und Gelsemium.


4. Anruf am Folgetag

Auf Gelsemium hat das Gitzi keine Verbesserung gezeigt. Der Tierhalter hat selber auf Calc-phosim Wechsel mit China gewechselt. Darauf ist es ganz zappelig geworden, es robbt wieder überall hin und kann jetzt auf den Vorderbeinen knapp eine Minute stehen. Mit Hilfe kann es auch hinten kurz stehen, kippt dann aber wieder um. Mit den Zähnen knirscht es nicht mehr.

 

Die Beraterin empfiehlt, bei den beiden vom Tierhalter gewählten Mitteln zu bleiben, je 2x täglich. Es ist das erste Mal, dass irgendeine Besserung sichtbar ist.

5. Anruf fünf Tage später

Nach anfänglicher Besserung mit Calc-phos ist jetzt wieder Stillstand. Die Koordination klappt nicht, die Fesseln hinten knicken ein. Auf den Vorderbeinen kann es gut stehen, hinten noch immer nicht. Die Hinterbeine lässt es im Liegen oft seitwärts ausgestreckt und bewegt diese / zuckt.

 

Die Beraterin empfiehlt das Mittel Magnesium phosphoricum.

 

Rückmeldung zwei Tag später:

Dem Gitzi geht es besser, es steht selber auf und geht ein paar Schritte.

 

Super! Weitermachenmit Magnesium phosphoricum und dazwischen nochmals China verabreichen.

 

Weitere Rückmeldung nach drei Wochen:

Das Gitzi ist sozusagen normal. Es läuft mit der Herde mit, man sieht ihm kaum mehr etwas an.

 

Nebst Magnesium phosphoricum und China hat das Gitzi nochmals Selen gespritzt bekommen.

 

Rückmeldung via elektronischem Fragebogen 3 ½ Monate später:

Das Gitzi war eine Einzelgeburt und von daher recht gross. Die Grösse hat es trotz der Erkrankung beibehalten. Es ist noch nicht halbjährig und weiterhin auffallend gross, zudem extrem selbstbewusst und furchtlos. Da muss etwas sehr tiefgreifend und ganzheitlich gewirkt haben.

 

 

Bemerkungen zum Fall:

Manchmal braucht es länger, bis man das passende Mittel findet. Der Tierhalter wollte den Tierarzt in diesem Fall nicht beiziehen, was kritisch beurteilt werden kann. Dem Gitzi ging es «im Kopf» immer gut, es war trotz der Erkrankung immer aufmerksam, im Bewegungsapparat aktiv und trank bei der Mutter. Daher war dies verantwortbar.

 

Dieser Fall zeigt, wie wichtig eine genaue Beobachtung ist. Das entscheidende Symptom war: «die Hinterbeine lässt es im Liegen oft seitwärts ausgestreckt und bewegt diese / zuckt.». Ein typisches Symptom für Magnesium phosphoricum, das dann den Fall auch gewendet und zu einer deutlichen Verbesserung geführt hat.



 






Vorschau - Mai 2020:

Holstein Milchkuh Flurina mit Nachgeburtsverhalten


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