Fall des Monats - September 2020

 Milchkuh Kitty mit einer akuten Mastitis und Vergiftung


Fortsetzung vom Fall August 2020! Lesen Sie Teil 1 hier!

 

6. Anruf am nächsten Tag gegen Abend:

Kitty hat nun Fieber, schon seit heute Morgen. Es ist von 39.8°C auf jetzt 40.0°C gestiegen. Kommt das Fieber vom Euter oder hat sie noch eine Gebärmutterentzündung?

 

Neu hat Kitty vorne links noch eine Mastitis seit Mittag. Der Viertel ist schmerzhaft und vergrössert, das Sekret gelblich-wässrig. Hinten links kommt keine Milch mehr, nur ganz wenig wässriges Sekret.

 

Kitty kann ohne Probleme aufstehen. Die Augen sind aber eingefallen, die Hörner und Ohren kalt. Sie hat keinen Schweiss mehr, der Mist ist in Ordnung und am Vortag hat sie wiedergekäut. Sie trinkt, aber eher wenig.

Neu ist ein rot-brauner Gebärmutterausfluss ohne speziellen Geruch zu sehen. Sie macht einen leichten Buckel.

 

Der Tierarzt war auch vor Ort. Es wurde Antibiotika gegeben. Gemäss Tierarzt ist es erstaunlich, wie gut Kitty in ihrem Zustand aussieht. Die Schleimhäute sind schön rosa, der Pansen arbeitet noch schwach. Die Atmungsfrequenz ist erhöht wegen dem Fieber. Sie liegt auf beide Seiten ab.

 

Die Beraterin empfiehlt zusätzlich zu der schulmedizinischen Behandlung das Mittel Carbo vegetabilis weiterzugeben und hinzu noch Pyrogenium.


7. Anruf am nächsten Morgen:

Heute Morgen hat sie angefangen, selbstständig zu fressen ohne «bittibätti» machen zu müssen. Die Atmung ist wieder normal, Kitty ist aber noch sehr müde. Die Temperatur ist mit 39.5°C etwas gesunken.

 

Euter: vorne links sieht es wieder aus wie Milch, nicht mehr wässrig, eher wie Pudding. Hinten links kommt unverändert ganz wenig wässriges Sekret. Kitty wird nur noch von Hand gemolken, auch an den rechten Vierteln gibt sie kaum mehr Milch.

 

Die Ohren und Hörner sind kühl, aber wärmer als am Vortag. Die Augen sind nicht mehr eingefallen, sie wirkt wach und aufmerksamer, spielt mit den Ohren. Sie speichelt etwas mehr und die Augen tränen. Allgemein sieht sie überhaupt nicht krank aus auf den ersten Blick.


Vom Tierarzt bekam sie noch ein Pansenstimulanz-Pulver. Homöopathisch empfiehlt die Beraterin mit Pyrogenium  und Carbo vegetabilis weiterzumachen, dazu empfiehlt sie noch Flor de piedra.


8. Anruf drei Tage später:

Es geht Kitty allgemein besser. Der Appetit ist noch mässig, aber sie frisst selber. Die Temperatur ist mit 39°C noch erhöht.

 

Der Viertel hinten links ist steinhart. Vorne links ist es weich und elastisch, das Sekret cremig. Das Melken ist nun allgemein schmerzhaft. Sie wird nur noch von Hand ausgemolken, es kommt nicht einmal mehr ein Liter! Der Besitzer wird ganz aufhören, sie zu melken, damit sie sich erholen kann.

 

Kitty speichelt immer noch vermehrt. Die Augen tränen nicht mehr. Sie frisst inzwischen auch Kraftfutter. Sie trinkt, aber zu wenig. Das Flotzmaul ist immer schön feucht. Die Atmung wieder normal. Sie ist in einer Gruppe mit Kalbekühen und läuft viel herum.

 

Die Beraterin empfiehlt einen Mittelwechsel auf Mercurius solubilis. Zusätzlich das Mittel Flor de piedra weitergeben. Die anderen Mittel weglassen.

 

9. Anruf eine Woche später:

Die Körpertemperatur ist immer noch leicht erhöht bei rund 39°C. Sie frisst gut, aber noch nicht ganz zufriedenstellend. Auch wiederkäuen tut sie, 50 Schläge pro Bissen.

 

Der Viertel vorne links ist wieder weitgehend unauffällig, der Viertel hinten links ist verkleinert, steinhart, es kommt ein wenig wässriges Sekret.

 

Kitty ist allgemein kräftiger geworden. Der Mist ist normal. Sie ist aktiver, geht oft zum Fressen. Das Fell sieht schön und gut aus. Das Speicheln ist nicht mehr.

 

Kitty sollte nun endlich «über den Berg» sein. Der Viertel hinten links ist sicher verloren, der Viertel vorne links sollte in der nächsten Laktation wieder in Ordnung sein.

 

Die Beraterin empfiehlt das Mittel Carbo animalis zur Nachbehandlung.


 

Rückmeldung sechs Wochen später:

Kitty gibt gar keine Milch mehr. Sie hat sich aber sehr gut erholt und macht einen gesunden Eindruck. Der Pansen ist immer schön gefüllt. Sie war trotz dieser Strapazen nie mager.

Bereits eine Woche nach dem letzten Telefonat kam sie wieder zurück in die Herde. Sie ist vom Verhalten her wieder ganz die Alte!

Die Klauen wurden kontrolliert und nachgeschnitten. Es gibt keine Anzeichen von einem Sohlengeschwür oder Klauenrehe, trotz dieser happigen Geschichte.

 

Das Euter hinten links ist noch verhärtet. Die anderen drei Viertel sind schön locker, wie ein normales Galteuter.

 

Falls Kitty brünstig wird, wird sie nochmals besamt und darf bleiben, da es eine der Lieblingskühe ist!

 

Die Beraterin bittet, in 2-3 Wochen die Klauen nochmals zu kontrollieren und das Mittel Acidum phosphoricum fü die allgemeine Rekonvaleszenz zu verabreichen.

 

Rückmeldung neun Monate später:

Kitty geht es prächtig. Sie wurde schon bald nach der letzten Rückmeldung brünstig und besamt und nahm beim ersten Mal auf. Den Sommer verbrachte sie auf der Alp.

Euter: Hinten links ist es immer noch verhärtet, sie wird als 3-Strich weiterleben…

 

 

Rückmeldung knapp ein Jahr nach der ersten Behandlung:

Sie hat vor ein paar Tagen gekalbert, Zwillinge, eines war tot. Die Geburt wurde eingeleitet, da der Muttermund trotz Wehen zublieb. Die Nachgeburt ging ab. Sie gibt auf allen vier Vierteln Milch, der Viertel hinten links ist noch dreimal so gross. Pro Viertel und Melkung gibt sie etwa 4l Milch. Sie hat keinen Fluss, das Euter leert sich gut. Der Schalmtest ist in Ordnung. Die Klauen waren immer gut. Sie wirkt einzig etwas müde.

 

Die Beraterin empfiehlt das Mittel Flor de piedra und Calcium carbonicum zu verabreichen.

 

 

Rückmeldung zehn Monate später:

Es geht Kitty blendend. Sie hatte gute Zellzahlen die ganze Laktation über (120), in einem Monat wird sie galt gestellt.

 

 

Rückmeldung gut drei Jahre nach der Erstberatung (April 2020):


Kitty lebt noch und hat vor sechs Wochen zum achten Mal gekalbert. Aktuell gibt sie gut 38 Liter Milch pro Tag. Die Zellzahlen waren auch in der vorderen siebten Laktation gut (im Durchschnitt 188). Letzte Woche wurde sie wieder brünstig.

Der Viertel hinten links ist immer noch grösser als die anderen. Aber die Zellzahlen sind gut mit aktuell 33. Kitty ist aller Liebling!

 

Bemerkungen zum Fall:

Der Fall Kitty zeigt, dass es sich lohnt, die Tiere nach akuten und schlimmen Krankheiten noch lange weiter zu betreuen und homöopathisch zu unterstützen. Niemand hätte damit gerechnet, dass sie an allen vier Vierteln wieder Milch geben würde.

Es ist für uns Beraterinnen wie auch für die Tierhalter sehr spannend und bereichernd Tiere über Jahre begleiten zu dürfen.

 

 

Vorschau:

Eine Muttersau frisst nicht vor der Geburt

kitty
 






Vorschau - Oktober 2020:

Eine Muttersau frisst nicht vor der Geburt



Archiv: