Fall des Monats - Juli 2020

Milchkuh Geya mit akutem Problem nach einem Rektaluntersuch


Milchkuh Geya hat Hämorrhoiden, die aufgebrochen sind und schmerzen. Dies nach einem Rektaluntersuch/ Trächtigkeitsuntersuch vor wenigen Tagen. Nach dem Untersuch blutete sie stark aus dem Anus und war geschwollen. Die Besitzerin verabreichte Geya Arnica. Die Symptome besserten schnell, aber jetzt scheint sie wieder mehr Schmerzen zu haben.

Während dem Kotabsatz läuft sie langsam vorwärts, es kommen nur kleine Portionen.

 

Zudem hat Geya seit gut zwei Jahren häufig einen positiven Schalmtest hinten links, sie wird daher an dem betroffenen Viertel separat gemolken.

 

Die Beraterin empfiehlt das Mittel Ignatia, dies als Akutmittel für die schmerzhaften und aufgebrochenen Hämorrhoiden. Die chronische Eutergeschichte müsste dann anschliessend separat besprochen werden. Im Moment soll sich zuerst die Akutsituation beruhigen.

 

Rückmeldung vier Tage später

Es geht Geya viel besser, sie setzt grössere Mengen Kot ab und hat weniger Schmerzen.

Wegen der Eutergeschichte möchten die Besitzer noch abwarten.


3. Anruf drei Wochen später:

Die Besitzerin meldet sich nochmals auf der Hotline wegen dem chronischen Euterproblem hinten links.

 

Geya ist am Ende der achten Laktation. Der Viertel ist weder vergrössert, noch schmerzhaft und die Milch ist optisch unverändert.

Sie ist ca. im 6. Monat trächtig. Sie nimmt nur alle zwei Jahre auf. Vor vier Jahren hatte Geya Zwillinge gehabt auf der Alp. Die Nachgeburt ist gut abgegangen. Seit dem Absetzen der Zwillinge besteht das Euterproblem.

Das Euter war immer unauffällig, der Schalmtest jedoch immer stark positiv hinten links.

Geya ist in der Herde die Leitkuh, sie wisse, was sie wolle. Sie geht rabiat um mit ihren Kolleginnen und scheucht diese immer wieder weg. Die Kälber bleiben auf diesem Betrieb drei Monate bei der Mutter. Geya schaut jeweils gut zu ihrem Kalb. Sie ist eine sehr breite und massige Kuh. Die Brunst zeigt sie nie klar.

Beim Fressen ist sie sehr wählerisch und schaut stets noch bei ihrer Nachbarin, ob es dort etwas Besseres hat. Sie frisst gierig, wirft das Heu aus der Krippe und geht oft zum Salzkessel.

Der Kot sieht gut aus, ein «schöner Fladen».

 

Die Beraterin empfiehlt das Mittel Aurum metallicum.


Rückmeldung zehn Tage später:

Es ist zu 95% gut geworden. Geya konnte normal mit der Melkmaschine gemolken werden an allen Vierteln. Der Schalmtest gab nur noch ganz minim an hinten links. Jetzt ist sie galt gestellt worden.

 

Bemerkungen zum Fall:

Similia similibus curentur – Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt. Der Leitsatz der Homöopathie. Wenn es passt, dann hilft es auch!

Oft sind diese Eutergeschichten mit «seit Monaten hohen Zellzahlen» schwierig zu behandeln, sowohl homöopathisch als auch schulmedizinisch. Der Fall Geya zeigt, dass es aber doch möglich ist, bei einem sehr lange bestehenden chronischen Problem innert ein paar Tagen eine deutliche Besserung herbei zu führen. Auch für uns Fachpersonen ist dies immer wieder wunderbar zu sehen, dass es manchmal doch ganz schnell und einfach mit einem einzigen Mittel gehen kann.

Aurum passt hier besonders gut zu Geya. Es deckt neben der Eutergeschichte, dem rabiaten Charakter auch noch die Symptome des vorangegangenen Rektumproblems ab. Mit diesem Fall wird klar, wie wichtig in der Homöopathie die Krankengeschichte ist – Notizen machen zu jedem Tier lohnt sich auf jeden Fall!


 






Vorschau - August 2020:

Freuen Sie sich auf den zweiteiligen, umfassenden Fall Kitty – eine Milchkuh mit einer akuten Mastitis und Vergiftung



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